Hexagramm 59 / 64
Die Auflösung
Traditionell auch Zerstreuung genannt. Wind zieht über Wasser, löst auf, was zu starr oder erstarrt geworden ist, und bringt es wieder in die Bewegung zurück, für die es eigentlich immer bestimmt war, so wie Wind eine zugefrorene Fläche allmählich wieder in fließendes Wasser verwandelt. Trotz seines im Deutschen etwas unheilvoll klingenden Namens wird dieses Zeichen oft günstig gelesen und beschreibt das nützliche Auflösen ungesunder Starrheit oder Spaltung, die ihren ursprünglichen Zweck längst überlebt hat.
Gebraucht wird das, wenn etwas zu Starres, Gespaltenes oder Erstarrtes aufgelöst und wieder verbunden werden muss — einen Stillstand auflösen, unnötige Barrieren zwischen Menschen abbauen, alte Muster auflösen, die ihre Nützlichkeit überlebt haben, aber allein aus reiner Gewohnheit weiter aufrechterhalten werden, obwohl niemand mehr genau erklären könnte, warum. Sein Rat begünstigt bewusstes Handeln, um wieder zu verbinden, was zerstreut oder entfremdet wurde, statt die Spaltung als dauerhaften Zustand zu akzeptieren, mit dem man einfach leben muss.
Sagen wir, ein Team oder eine Familie hat sich über die Zeit still in starre Lager gespalten, jede Seite verhärteter, als die eigentliche Meinungsverschiedenheit an sich rechtfertigen würde. Dieses Zeichen begünstigt, aktiv daran zu arbeiten, diese Starrheit aufzulösen, ein gemeinsames Projekt oder eine Geste zu finden, die den Menschen einen Grund gibt, über die Kluft zwischen ihnen hinweg wieder Kontakt aufzunehmen, statt die Spaltung als dauerhaftes Merkmal der Gruppe hinzunehmen, das man einfach ertragen muss.
Ihre klassische Verbindung von Zerstreuen und Wiederverbinden wird in Kommentaren manchmal damit verknüpft, wie ein Herrscher Ritual oder gemeinsame Symbole nutzt, um ein zerstreutes Volk nach einer echten Phase der Spaltung wieder zu vereinen. Die Linientexte begünstigen ausdrücklich das Auflösen von Eigennutz, nicht nur äußerer Spaltungen zwischen Gruppen, einschließlich des Bildes, die eigenen angehäuften Sorgen zugunsten eines größeren, gemeinsamen Guts loszulassen, das allen Beteiligten nützt. Die Geste, die eine gespaltene Gruppe am Ende wieder verbindet, muss nicht groß sein, nur aufrichtig genug, dass beide Seiten sie als echt erkennen, statt als weitere leere Geste, die nur der Form halber vollzogen wird.